Ich war noch einmal dort und diesmal mit schwieriger Mission: technisch dafür zu sorgen, dass das ZDF über die dortigen Wahlen berichten kann. Nicht wirklich eine Urlaubsreise also.
Auch dieses Mal hatte ich nicht die Möglichkeit viel von Afghanistan zu sehen. Die Stimmung war einfach zu angespannt. Immerhin: Zum Wasserpfeife rauchen, ins Einkaufszentrum neben an und zum Supermarkt habe ich es doch geschafft. Der Supermarkt ist dank den Amerikanern sogar besser sortiert, als so mancher Migros oder Carrefour hier in Istanbul. Zumindest gab es alles, was unser Herz begehrte. Aufgrund der angespannten Nachrichtenlage ist es uns aber auch so nicht langweilig geworden und so konnten wir die eigens aus Istanbul mitgebrachte Satellitenanlage auch ausgiebig nutzen. Ein Glück, dass uns Nachts um zwei trotz Generatorlärms kein Wachmann oder Polizist vom schiefen Dach geschossen hat. Ein paar Mal pro Tag dorthoch zu klettern hat zumindest das Fitness-Studio ersetzt, denn das Dach war nur über zwei windige Bambusleitern und durch dunkle Gänge zu erreichen. Auch ein Glück, dass die Leitern sowohl uns, als auch unsere Geräte zwei Wochen lang heil überstanden haben.
Der Sonnenschirm, der die Satellitenanlage vor Überhitzung schützen sollte, hat nicht einmal einen halben Tag gehalten, dann war er uns vom Dach geflogen. Also haben wir beim Schreiner des Hotels ein neues Sonnendach bestellt. Welch Überraschung, als ich eines Morgens kurz vor der Überspielung neuen Nachrichtenmaterials feststellen musste, dass er mir die Pfosten hierfür direkt vor die Satellitenschüssel genagelt hatte...
Sonst gibt es nicht viel zu erzählen aus Kabul. Die Lage ist nicht besser geworden - im Gegenteil: wir hatten leider über viele Anschläge und Tote zu berichten, in dieser kleinen Stadt oft auch nicht weit vom Hotel entfernt. Einmal musste ich auch selbst zur Kamera greifen (beim Attentat vor dem ISAF Hauptquartier) weil unser Kameramann gerade unterwegs war. Kein schöner Anblick, der sich dort bot.
Am Ende haben wir die Zeit in Kabul (zumindest für uns) erfolgreich rumgebracht und wie schon im März habe ich die Rückkehr nach Istanbul, nach der wohlverdienten (warmen!) Dusche am Flughafen Dubai, sehr genossen. Auf einmal kommt mir Istanbul wieder wahnsinnig geordnet vor und auch der Verkehr ist doch gar nicht so schlimm, oder?

Letzte Kommentare